Ein Liter Super E10 kostet in Deutschland meist zwischen 1,65 € und 1,85 €. Für viele Autofahrer bleibt jedoch unklar, welcher Anteil davon in Steuern, in den Rohölmarkt oder in die Kassen der Mineralölkonzerne fließt. Dabei lässt sich der Preis erstaunlich präzise zerlegen. Wir schauen auf die drei großen Blöcke, ihre typische Größenordnung und darauf, welche Positionen sich kurzfristig bewegen und welche fest sind.
Die drei Preisblöcke im Überblick
Der Endpreis an der Zapfsäule setzt sich aus drei Hauptgruppen zusammen: Steuern und Abgaben, Produktkosten (Rohöl plus Raffinerie) sowie die Deckungsbeiträge von Handel und Transport. Bei einem Literpreis von 1,75 € für Super E10 macht der Steueranteil rund 50 bis 55 % aus, das eigentliche Produkt etwa 35 bis 40 %, der Rest entfällt auf Vertrieb, Transport und Marge.
Die Aufteilung schwankt täglich, weil Rohölnotierungen und Großhandelspreise volatil sind, die Steuern jedoch weitgehend fix. Steigt der Preis binnen Wochen um 20 Cent, geht das fast immer auf Bewegungen bei Rohöl oder Raffineriemargen zurück, nicht auf höhere Steuern.
Steuern: der größte und stabilste Block
Auf jeden Liter Benzin entfallen 65,45 Cent Energiesteuer, bei Diesel sind es 47,04 Cent. Hinzu kommt die CO₂-Bepreisung nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz, die 2024 bei 45 € pro Tonne CO₂ lag und 2025 auf 55 € steigt. Das entspricht bei Benzin knapp 13 Cent pro Liter, bei Diesel rund 15 Cent. Auf die Summe aus Nettopreis, Energiesteuer und CO₂-Aufschlag wird schließlich die Mehrwertsteuer von 19 % erhoben.
Die Bundesnetzagentur und das Umweltbundesamt weisen die CO₂-Komponente separat aus, weil sie planmäßig weiter steigt. Bis 2026 ist ein Preiskorridor von 55 bis 65 € pro Tonne CO₂ vorgesehen, danach folgt die Überführung in den europäischen Emissionshandel ETS 2. Für Verbraucher bedeutet das eine planbare, aber langsam wachsende Steuerlast.
Rohöl und Raffinerie: die volatile Komponente
Der Rohölpreis wird international in US-Dollar pro Barrel notiert, meist als Brent oder WTI. Ein Barrel entspricht rund 159 Litern, davon werden je nach Raffineriekonfiguration etwa 70 bis 90 Liter Benzin und Diesel gewonnen. Bei einem Brent-Preis von 80 US-Dollar und einem Wechselkurs von 1,08 USD/EUR ergibt sich ein reiner Rohstoffanteil von grob 45 bis 50 Cent pro Liter Kraftstoff.
Dazu kommt die Raffineriemarge, also die Differenz zwischen Rohölkosten und Produktverkaufspreis im Großhandel. Sie schwankt saisonal stark: In Reisezeiten, bei ungeplanten Anlagenausfällen oder nach Lieferunterbrechungen steigt sie deutlich. Der ADAC weist regelmäßig darauf hin, dass sich Raffineriemargen innerhalb weniger Wochen verdoppeln können — ein wichtiger Grund für Preisspitzen, die nicht durch die Rohölnotierung allein erklärbar sind.
Handel, Transport und Tankstellenmarge
Der letzte Block umfasst Logistik, Bevorratung, Zapfsäulenbetrieb, Personal und die Marge der Tankstellengesellschaft. Er liegt üblicherweise zwischen 8 und 15 Cent pro Liter, kann aber je nach Standort, Wettbewerbsdruck und Tageszeit deutlich variieren. Autobahntankstellen kalkulieren oft mit 20 bis 30 Cent Aufschlag gegenüber Stadtwerten, weil Pachten und Betriebskosten höher sind.
Die von Tankerkönig ausgewerteten Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zeigen ein deutliches Tagesmuster: Morgens sind Preise typischerweise am höchsten, zwischen 18 und 21 Uhr am niedrigsten. Diese Schwankung von oft 10 bis 15 Cent pro Liter geht praktisch vollständig auf die Handelsmarge zurück — Steuern und Produktkosten bleiben über den Tag unverändert.
Was das für Verbraucher bedeutet
Weil rund die Hälfte des Preises aus Fixsteuern besteht, kann der Literpreis in Deutschland selbst bei einem Rohölcrash kaum unter 1,30 bis 1,35 € fallen. Umgekehrt schlagen internationale Krisen nur teilweise auf den Endpreis durch, weil die Steuern die relative Schwankung dämpfen. Wer den Rohölpreis in den Nachrichten verfolgt, sollte diese Dämpfung einkalkulieren.
Sparen lässt sich vor allem beim variablen Anteil: Tankzeitpunkt wählen, günstige Stadttankstellen statt Autobahnraststätten nutzen und Preisvergleichs-Apps einsetzen. Der ADAC schätzt das durchschnittliche Sparpotenzial durch geschickte Tankstellenwahl auf 5 bis 10 Cent pro Liter, was bei einem Jahresverbrauch von 1.200 Litern immerhin 60 bis 120 € ausmacht.
Das Wesentliche
Rund die Hälfte des Benzinpreises sind Steuern, ein gutes Drittel Rohöl und Raffinerie, der Rest Handel und Marge. Wer sparen will, kann bei den fixen Steueranteilen nichts ausrichten, aber die täglichen Schwankungen der Handelsmarge nutzen. Preisvergleich per App und das Meiden von Autobahntankstellen bringen realistisch 5 bis 10 Cent pro Liter — der Rest ist Marktgeschehen.
