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E-Auto oder Verbrenner 2026: Strom- und Spritkosten im realistischen Vergleich

Strom oder Sprit: Wir rechnen für 2026 nüchtern nach, ab welcher Fahrleistung sich ein E-Auto gegenüber einem Verbrenner wirklich lohnt.

Elektroauto und Verbrenner nebeneinander an einer deutschen Tankstelle mit Ladesäule

Die Frage ist 2026 nüchterner geworden: Kaufprämien sind Geschichte, Strompreise haben sich stabilisiert, und die Spritpreise pendeln laut Tankerkönig-Daten weiter im bekannten Korridor. Wer heute zwischen E-Auto und Verbrenner wählt, entscheidet vor allem über Strompreis, Jahresfahrleistung und Ladeverhalten. Wir rechnen mit realistischen Verbrauchswerten und zeigen, ab welcher Kilometerleistung sich der Wechsel finanziell lohnt — und wann der Verbrenner die ehrlichere Wahl bleibt.

Die Ausgangslage 2026: Preise und Verbräuche

Beim Sprit liegt der bundesweite Durchschnitt laut Bundeskartellamt-Marktbeobachtung und Tankerkönig im Korridor von etwa 1,70 bis 1,85 €/L für Super E10 und 1,65 bis 1,80 €/L für Diesel. Größere Ausreißer nach oben gab es zuletzt vor allem an Autobahn-Tankstellen und in Ferienzeiten. Wer früh morgens oder am späten Abend tankt, spart laut ADAC-Auswertungen regelmäßig 8 bis 12 Cent pro Liter.

Beim Strom sieht es differenzierter aus. Haushaltsstrom liegt laut Bundesnetzagentur bei rund 35 bis 40 Cent/kWh, Wärmepumpen- oder Autostromtarife teils bei 28 bis 32 Cent/kWh. An öffentlichen AC-Säulen werden 45 bis 60 Cent/kWh aufgerufen, an DC-Schnellladern der großen Anbieter 55 bis 75 Cent/kWh. Wer zuhause lädt, fährt also auf einem völlig anderen Kostenniveau als jemand, der täglich auf Schnellladesäulen angewiesen ist.

Realistische Verbräuche im Mittel: Ein moderner Kompakt-Verbrenner kommt auf 6,0 bis 7,5 L/100 km, ein vergleichbarer Diesel auf 5,0 bis 6,0 L/100 km. Ein E-Kompakter liegt nach KBA-Verbrauchsangaben und ADAC-Ecotest bei 16 bis 19 kWh/100 km ab Steckdose, im Winter eher 20 bis 23 kWh.

Was kostet 100 Kilometer wirklich?

Rechnet man die genannten Spannen durch, ergeben sich klare Größenordnungen. Ein Benziner verbraucht für 100 km Energie im Wert von etwa 11 bis 14 €. Ein Diesel liegt bei rund 8,50 bis 11 €. Ein E-Auto an der heimischen Wallbox mit Autostromtarif kommt auf 4,50 bis 7 €, an haushaltsüblichem Strom auf 6 bis 8 €. Wer dagegen ausschließlich öffentlich schnelllädt, landet bei 9 bis 14 € — und damit auf Verbrenner-Niveau.

Die Spreizung beim E-Auto ist also größer als beim Verbrenner. Das ist der Punkt, den viele Vergleichsrechnungen unterschlagen: Der Strompreis ist keine feste Größe, sondern hängt stark vom Ladeort ab. Wer in einer Mietwohnung ohne Wallbox wohnt, sollte vor dem Kauf die tatsächlich zugänglichen Ladepunkte und deren Tarife prüfen.

Hinzu kommen Fixkosten. Die Kfz-Steuer entfällt für reine E-Autos noch bis Ende 2025, ab 2026 greift sie wieder regulär — allerdings auf niedrigem Niveau. Versicherungen liegen bei E-Autos je nach Modell 5 bis 15 % höher, Wartung dafür laut ADAC-Kostenvergleich rund 30 % günstiger.

Energiekosten
Kosten pro 100 km nach Antrieb und Ladeort
Realistische Spannen für Kompaktklasse, Stand Anfang 2026
0 €5 €10 €15 €4,50–7 €E-AutoWallbox6–8 €E-AutoHaushaltsstrom8,50–11 €Diesel11–14 €Benziner9–14 €E-AutoDC-Schnellladen
Quellen: Bundesnetzagentur, Tankerkönig, ADAC-Ecotest. Eigene Berechnung auf Basis typischer Verbräuche der Kompaktklasse.
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Ab wann lohnt sich der Wechsel rechnerisch?

Die kritische Größe ist die Jahresfahrleistung. Bei 8.000 km im Jahr — typisch für Stadtbewohner mit Zweitwagen — bleibt die jährliche Energiekostenersparnis selbst bei günstigem Heimstrom überschaubar, oft 400 bis 600 €. Das gleicht den höheren Anschaffungspreis eines vergleichbaren E-Autos kaum aus, der laut KBA-Neuwagenstatistik weiter 4.000 bis 8.000 € über dem Verbrenner-Pendant liegt.

Bei 15.000 bis 20.000 km im Jahr und Heimladung dreht sich das Bild. Hier sammeln sich Energiekostenvorteile von 900 bis 1.500 € jährlich an, plus geringere Wartungskosten. Über fünf bis sieben Jahre Haltedauer kann der Mehrpreis amortisiert sein, sofern der Restwert nicht überproportional einbricht — und genau das ist 2026 die größte Unbekannte.

Vielfahrer mit über 30.000 km, die regelmäßig längere Autobahnstrecken zurücklegen, sollten genau hinrechnen. Schnellladen frisst einen Teil des Vorteils auf, und ein effizienter Diesel bleibt hier ein ernsthafter Konkurrent.

Die oft übersehenen Faktoren

Restwert: E-Autos verlieren laut DAT-Report aktuell schneller an Wert als vergleichbare Verbrenner, vor allem ältere Modelle mit kleinen Akkus. Wer alle drei bis vier Jahre wechselt, trägt dieses Risiko stärker als ein Langhalter.

Winter: Der Strommehrverbrauch im Winter beträgt laut ADAC-Tests 20 bis 30 %, beim Verbrenner liegt der Mehrverbrauch bei 10 bis 15 %. Das verschiebt die Rechnung in den kalten Monaten zugunsten des Verbrenners, vor allem auf Kurzstrecken.

Stromtarif-Dynamik: Variable Tarife mit Nachtladung können den Effektivpreis auf 22 bis 28 Cent/kWh drücken. Wer technikaffin ist und ein Auto mit gutem Lademanagement fährt, holt hier nochmal 15 bis 25 % heraus.

Das Wesentliche

Die Antwort lautet 2026 unverändert: Es kommt darauf an. Wer eine eigene Wallbox hat, mehr als 15.000 km im Jahr fährt und das Auto lange behält, fährt mit einem E-Auto deutlich günstiger. Wer überwiegend öffentlich lädt, wenig fährt oder häufig wechselt, ist mit einem effizienten Verbrenner — besonders einem Diesel auf Langstrecke — finanziell oft besser beraten. Rechnen Sie mit Ihren echten Zahlen, nicht mit Werbeversprechen.

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