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Erdgas (CNG) als Kraftstoff 2026: Verbrauch, Kosten und Tankstellen-Netz im Check

Erdgasautos gelten als sparsam, doch das Tankstellennetz schrumpft. Wir prüfen, ob sich ein CNG-Fahrzeug 2026 in Deutschland noch rechnet.

CNG-Zapfsäule an einer deutschen Tankstelle mit Erdgas-Kennzeichnung

Erdgas als Kraftstoff, technisch CNG (Compressed Natural Gas), führt in Deutschland ein Nischendasein. Rund 70.000 zugelassene Fahrzeuge stehen laut Kraftfahrt-Bundesamt einem stark ausgedünnten Tankstellennetz gegenüber. Gleichzeitig locken niedrigere Verbrauchskosten pro 100 km und eine bis Ende 2026 verlängerte Steuerbegünstigung. Wir prüfen, für wen sich der Einstieg oder das Festhalten am Erdgasauto 2026 noch lohnt und wo die Grenzen liegen.

Was CNG von Autogas und Benzin unterscheidet

CNG besteht überwiegend aus Methan und wird unter etwa 200 bar in verstärkten Tanks gespeichert. Anders als beim Flüssiggas (LPG, Autogas) handelt es sich um ein anderes Produkt mit eigener Infrastruktur, eigenen Fahrzeugen und einer eigenen Steuerlogik. Der Energiegehalt pro Kilogramm liegt deutlich über dem von Benzin, was den relativ günstigen Verbrauchspreis erklärt.

Der Preis an der Säule wird in Kilogramm angegeben, nicht in Litern. Ein Kilogramm CNG entspricht energetisch etwa 1,5 Litern Benzin. Wer die Kosten vergleichen möchte, muss also umrechnen und nicht den reinen kg-Preis mit dem Literpreis von Super E10 gleichsetzen. Genau diese Verwechslung führt in Online-Vergleichen häufig zu Fehleinschätzungen.

Verbrauchskosten 2026 im direkten Vergleich

Ein typischer Kompakt-CNG-Wagen wie der Seat Leon TGI oder VW Golf TGI verbraucht laut Herstellerangaben und ADAC-Ecotest rund 4,0 bis 4,5 kg CNG pro 100 km. Bei einem durchschnittlichen Kilopreis von 1,25 bis 1,45 € ergibt das Verbrauchskosten von etwa 5 bis 6,50 € pro 100 km. Ein vergleichbarer Benziner mit 6,0 L/100 km liegt bei aktuellen Spritpreisen deutlich darüber.

Wichtig für die Gesamtbilanz: Die Energiesteuer auf Erdgas als Kraftstoff wurde vom Bundestag bis Ende 2026 ermäßigt fortgeschrieben. Danach ist die weitere Entwicklung offen. Wer heute ein Fahrzeug anschafft, sollte einkalkulieren, dass sich der Kilopreis ab 2027 in Richtung Benzin-Niveau bewegen könnte, sofern der Gesetzgeber nicht erneut verlängert.

Kostenvergleich
Verbrauchskosten pro 100 km im Kompaktsegment
Repräsentative Werte 2026, ohne Fixkosten und Wartung
0 €5 €10 €15 €5,80 €CNG4,3 kg11,40 €Benzin E106,0 L9,25 €Diesel5,0 L4,50 €Strom (Heim)15 kWh
Quellen: ADAC-Ecotest, Tankerkönig, Bundesnetzagentur. Preise gerundet: CNG 1,35 €/kg, Super E10 1,90 €/L, Diesel 1,85 €/L, Haushaltsstrom 0,30 €/kWh.
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Das Tankstellennetz schrumpft

Nach Angaben des Branchenverbands Zukunft Gas gab es zum Höhepunkt rund 920 CNG-Tankstellen in Deutschland. Aktuell liegt die Zahl bei etwa 700 und sinkt weiter, da einige Betreiber wegen niedriger Auslastung schließen. Die Verteilung ist ungleichmäßig: In Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ist das Netz noch tragfähig, in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Teilen Ostdeutschlands wird es schnell dünn.

Praktisch bedeutet das: Vor dem Kauf sollten Sie prüfen, ob mindestens zwei CNG-Tankstellen im Alltagsradius liegen und ob typische Fernstrecken abgedeckt sind. Apps wie gibgas.de oder der ADAC-Spritpreisvergleich zeigen tagesaktuelle Verfügbarkeit. Fällt eine einzige Tankstelle im Umkreis aus, kann der Weg zur nächsten schnell 40 km betragen.

Fahrzeugauswahl und Gebrauchtmarkt

Das Neuwagenangebot ist mager. Nachdem VW, Seat und Skoda ihre TGI-Modelle 2023/2024 eingestellt haben, bleiben im Wesentlichen der Fiat Panda Hybrid mit CNG-Option (in Deutschland nur eingeschränkt verfügbar) sowie einige leichte Nutzfahrzeuge von Iveco. Wer ein CNG-Auto sucht, landet fast zwangsläufig auf dem Gebrauchtmarkt.

Der Gebrauchtmarkt bietet dafür interessante Preise: Ein VW Golf TGI oder Audi A3 g-tron mit 60.000 bis 90.000 km ist deutlich günstiger als vergleichbare Benziner oder Elektroautos. Beim Kauf lohnt sich ein Blick auf die Tankprüfung, die je nach Baujahr alle zwei Jahre im Rahmen der Hauptuntersuchung fällig wird. Ausgetauschte Tanks sind kostspielig, aber die Lebensdauer der Original-Behälter liegt regulär bei 20 Jahren.

Bio-CNG und CO2-Bilanz

Ein Argument, das für Erdgasfahrzeuge weiterhin zieht, ist die Möglichkeit, biogenes CNG (Bio-Methan) zu tanken. Nach Angaben des Umweltbundesamts und von Zukunft Gas bieten mehrere Anbieter, darunter Erdgas Südwest und Verbio, bilanziell 100 % Bio-CNG an derselben Zapfsäule an. Die CO2-Bilanz im Well-to-Wheel-Vergleich fällt damit besser aus als bei Diesel und liegt in der Nähe eines mit deutschem Strommix geladenen Elektroautos.

Ganz ohne Einschränkungen ist das nicht: Die tatsächliche Herkunft des Biomethans erfolgt über Zertifikate, nicht molekular an der jeweiligen Zapfsäule. Wer besonderen Wert auf eine niedrige Klimabilanz legt, sollte die Zertifizierung des Anbieters prüfen und im Zweifel auf ausgewiesene Bio-CNG-Marken zurückgreifen.

Das Wesentliche

Ein Erdgasauto lohnt sich 2026 vor allem für Vielfahrer in Regionen mit stabilem Tankstellennetz, die einen günstigen Gebrauchten finden. Rechnen Sie mit rund 5 bis 6,50 € Verbrauchskosten pro 100 km, prüfen Sie die Steuerentwicklung ab 2027 und kontrollieren Sie vor dem Kauf die Tankprüfung. Für seltene Fernstrecken oder ländliche Regionen ohne CNG-Säule ist ein Hybrid oder Elektroauto die praktischere Wahl.

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