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Reifenwahl und Rollwiderstand: Was das Reifenlabel beim Verbrauch wirklich bringt

Das EU-Reifenlabel bewertet den Rollwiderstand von A bis E. Wie viel Sprit sparen Sie mit A-Reifen im Alltag wirklich?

Nahaufnahme eines neuen Sommerreifens mit EU-Reifenlabel neben einem Auto in einer deutschen Werkstatt

Reifen sind der einzige Kontakt zwischen Auto und Straße und beeinflussen den Verbrauch stärker, als viele Autofahrer vermuten. Das EU-Reifenlabel liefert seit Jahren eine standardisierte Orientierung, wird aber oft übersehen oder falsch interpretiert. In diesem Beitrag ordnen wir ein, was die Kraftstoffeffizienz-Klasse konkret bedeutet, wie groß der Spareffekt in Litern und Euro ausfällt und wo die Kompromisse zwischen Verbrauch, Nassgriff und Reifenpreis liegen.

Was das EU-Reifenlabel wirklich aussagt

Seit 2012 müssen alle in der EU verkauften Pkw-Reifen mit einem Label versehen sein, das die Kraftstoffeffizienz, den Nassgriff und das externe Rollgeräusch ausweist. Seit Mai 2021 gilt eine überarbeitete Verordnung mit einheitlicher Skala von A bis E, ergänzt um Piktogramme für Schnee- und Eishaftung. Das Ziel ist Vergleichbarkeit unter genormten Bedingungen, nicht die Prognose Ihres persönlichen Verbrauchs.

Die Kraftstoffeffizienz-Klasse bildet den Rollwiderstand ab. Grob gilt: Zwischen zwei benachbarten Klassen liegt laut Angaben der EU-Kommission und des ADAC ein Unterschied von rund 0,1 L/100 km. Zwischen der besten Klasse A und einer eher schwachen Klasse D oder E können sich daraus 0,3 bis 0,6 L/100 km Differenz ergeben, je nach Fahrzeug und Fahrprofil.

Wichtig ist der Kontext: Das Label misst unter Laborbedingungen mit standardisiertem Reifendruck und definierten Belastungen. Wer mit zu niedrigem Druck fährt oder viel Kurzstrecke im Stadtverkehr zurücklegt, erlebt in der Praxis andere Werte. Das Label bleibt trotzdem der beste unabhängige Anhaltspunkt beim Neukauf.

Rollwiderstand in Zahlen: Wie viel Sprit kostet die falsche Klasse

Der Rollwiderstand macht laut Umweltbundesamt (UBA) und Fraunhofer-Untersuchungen etwa 20 bis 30 Prozent des Energiebedarfs eines Pkw im gemischten Betrieb aus. Bei reinen Autobahnfahrten überwiegt der Luftwiderstand, im Stadtverkehr dominieren Beschleunigungsvorgänge. Damit ist der Effekt eines guten Reifens auf Langstrecken bei konstantem Tempo besonders spürbar.

Rechenbeispiel: Ein durchschnittlicher Kompaktwagen mit 6,5 L/100 km und einer Jahresfahrleistung von 15.000 km verbraucht rund 975 Liter Benzin. Wechseln Sie von einem C-Reifen auf einen A-Reifen, sind laut ADAC-Schätzung 0,2 bis 0,3 L/100 km Einsparung realistisch — das entspricht 30 bis 45 Liter pro Jahr oder bei 1,75 €/L rund 50 bis 80 € jährlich.

Bei Elektroautos wirkt sich der Rollwiderstand ähnlich aus, allerdings in Kilowattstunden statt Litern. Der ADAC hat mehrfach dokumentiert, dass rollwiderstandsoptimierte Reifen bei einem Mittelklasse-Elektroauto die Reichweite um 5 bis 10 Prozent steigern können.

Rechenbeispiel
Jährliche Kraftstoffkosten nach Reifenlabel-Klasse
Kompaktwagen, 15.000 km/Jahr, Basisverbrauch 6,5 L/100 km, Benzinpreis 1,75 €/L
Kraftstoffeffizienz-KlasseVerbrauch (L/100 km)Jahresverbrauch (L)Jahreskosten (€)Mehrkosten ggü. Klasse A (€)
A6,39451.6540
B6,49601.680+26
C6,59751.706+52
D6,69901.733+79
E6,71.0051.759+105
Quelle: Eigene Berechnung auf Basis von ADAC-Angaben zum Klassenabstand von rund 0,1 L/100 km und Bundesnetzagentur-Daten zum durchschnittlichen Benzinpreis 2024.
Was am Ende wirklich zählt
Die größten Spareffekte ergeben sich aus mehreren kleinen, sich summierenden Änderungen — nicht aus einem einzigen Trick.
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Der Zielkonflikt: Verbrauch, Nassgriff und Haltbarkeit

Reifenhersteller müssen bei der Gummimischung Kompromisse eingehen. Eine Mischung mit sehr niedrigem Rollwiderstand ist tendenziell härter, was die Haftung auf nasser Fahrbahn verringern kann. Deshalb weist das Label bewusst zwei getrennte Klassen aus: eine für die Kraftstoffeffizienz und eine für den Nassgriff. Beide sollten gemeinsam bewertet werden.

In den jährlichen Reifentests von ADAC, Stiftung Warentest und Auto Bild schneiden nicht immer die Reifen mit A-Klasse beim Verbrauch am besten ab. Häufig sind Modelle mit einer B-Kraftstoffklasse und einer A-Nassgriffklasse die vernünftigere Wahl, weil sie den Bremsweg auf nasser Fahrbahn um mehrere Meter verkürzen. Bei Tempo 80 kann der Unterschied zwischen Nassgriffklasse A und C rund 18 Meter betragen.

Die Laufleistung wird auf dem Label nicht ausgewiesen, hat aber ökonomisch großes Gewicht. Ein Reifen, der 10.000 km länger hält, kompensiert oft die Mehrkosten einer Premium-Marke deutlicher als 0,1 L/100 km Verbrauchsvorteil.

Praxisfaktoren: Reifendruck, Alter und Fahrstil

Selbst der beste A-Reifen verliert seinen Vorteil, wenn der Reifendruck nicht stimmt. Laut ADAC erhöht ein um 0,5 bar zu niedriger Druck den Rollwiderstand um bis zu 10 Prozent und damit den Verbrauch um etwa 0,3 L/100 km. Eine Kontrolle alle vier Wochen und vor jeder längeren Fahrt ist die einfachste Spritsparmaßnahme überhaupt.

Auch das Reifenalter zählt. Ältere Reifen mit stark abgefahrenem Profil rollen zwar oft leichter, verlieren aber massiv an Nassgriff. Umgekehrt haben frische Reifen in den ersten 500 bis 1.000 km einen leicht erhöhten Rollwiderstand, bevor sie sich einfahren.

Empfehlung für den Neukauf

Wer Reifen kauft, sollte das Label nicht isoliert lesen. Sinnvoll ist die Kombination aus mindestens Nassgriffklasse B, Kraftstoffeffizienz-Klasse B oder A und einem guten Abschneiden im aktuellen ADAC- oder Stiftung-Warentest-Vergleich. Der Aufpreis für die beste Verbrauchsklasse rechnet sich vor allem bei Vielfahrern über 20.000 km pro Jahr.

Beim Wechsel von Sommer- auf Ganzjahresreifen ist zu bedenken, dass Ganzjahresreifen in der Regel eine schlechtere Kraftstoffeffizienz-Klasse aufweisen. Für Fahrer in schneereichen Regionen kann das trotzdem sinnvoll sein, für reine Flachlandfahrer ist die getrennte Bereifung meist wirtschaftlicher.

Das Wesentliche

Das EU-Reifenlabel ist ein nützliches Werkzeug, aber kein Freibrief. Achten Sie beim Neukauf auf die Kombination aus guter Kraftstoffeffizienz, mindestens Nassgriffklasse B und aktuellen Testergebnissen von ADAC oder Stiftung Warentest. Wer regelmäßig den Reifendruck prüft und vorausschauend fährt, holt aus einem B-Reifen oft mehr heraus als aus einem vernachlässigten A-Reifen. Realistischer Spareffekt: 30 bis 80 € pro Jahr.

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