Spritpreise schwanken in Deutschland mehrfach pro Tag, oft um 10 bis 15 Cent je Liter. Wer den richtigen Zeitpunkt trifft, spart über ein Jahr leicht 100 bis 200 Euro. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe meldet jede Preisänderung an Anbieter wie Tankerkönig, der ADAC und Verbraucherzentralen werten diese Daten regelmäßig aus. Wir fassen zusammen, was die öffentlichen Auswertungen zum besten Tankzeitpunkt zeigen — und was sich in den letzten Jahren verändert hat.
Warum Spritpreise mehrfach täglich schwanken
Seit 2013 müssen alle öffentlichen Tankstellen in Deutschland jede Preisänderung sofort an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe der Bundeskartellamts melden. Die Daten fließen an Verbraucher-Apps wie Tankerkönig, Clever-Tanken oder die ADAC-Spritpreis-App. Dadurch ist das Tankstellennetz heute eines der preistransparentesten Märkte überhaupt.
Trotz oder gerade wegen dieser Transparenz beobachten wir typischerweise sechs bis acht Preisänderungen pro Tag und Tankstelle. Die großen Mineralölkonzerne — Aral, Shell, Esso, Total und Jet — folgen weitgehend einem ähnlichen Rhythmus. Morgens werden die Preise hochgesetzt, im Tagesverlauf mehrfach gesenkt, abends wird oft wieder angehoben.
Diese Schwankungen sind kein Zufall. Das Bundeskartellamt geht von einer impliziten Preisführerschaft aus: Die Konzerne testen Preisrunden und passen sich gegenseitig an, ohne sich formal abzusprechen. Für Verbraucher bedeutet das: Der Tageszeitpunkt schlägt fast jede Markenwahl.
Die günstigsten Tageszeiten laut ADAC-Auswertung
Der ADAC wertet die Tankerkönig-Daten regelmäßig aus und veröffentlicht die Ergebnisse in seinen Spritpreis-Analysen. Demnach sind drei Zeitfenster im Tagesverlauf besonders günstig: zwischen etwa 18 und 19 Uhr, gegen 20 bis 22 Uhr sowie ein letztes Tief gegen 22 Uhr. In diesen Phasen liegen die Preise oft 8 bis 12 Cent je Liter unter dem Tageshoch am Morgen.
Am teuersten ist das Tanken konsistent früh morgens zwischen 5 und 7 Uhr. Hier setzen die Konzerne den höchsten Preis des Tages an, der dann im Laufe des Vormittags langsam fällt. Wer auf dem Weg zur Arbeit tankt, zahlt also fast immer drauf — selbst gegenüber demselben Tag am Abend.
Auch der Wochentag spielt eine Rolle, wenn auch geringer. Sonntage und Montage sind tendenziell etwas teurer, Mittwoch und Donnerstag oft günstiger. Vor langen Wochenenden und Feiertagen ziehen die Preise spürbar an, das hat der ADAC mehrfach für Pfingsten, Ostern und die Sommerferien dokumentiert.
Diesel und Super E10 im Tagesverlauf
Die zeitlichen Muster gelten für Diesel und Super E10 weitgehend parallel, allerdings hat sich der Preisabstand zwischen beiden Sorten in den letzten Jahren deutlich verschoben. Während Diesel historisch günstiger war als Benzin, lag er 2022 und 2023 zeitweise sogar darüber. Ursachen waren laut Bundesnetzagentur und Eurostat unter anderem Knappheiten am Mitteldestillat-Markt nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.
Inzwischen hat sich das Verhältnis wieder etwas normalisiert, mit Diesel meist 5 bis 15 Cent je Liter unter Super E10. Die Tagesschwankung selbst bleibt für beide Sorten in einer ähnlichen Größenordnung von 10 bis 15 Cent.
Autobahntankstellen: durchgehend teurer
Eine konstante Erkenntnis aller ADAC-Auswertungen: Tankstellen direkt an der Autobahn sind im Schnitt 20 bis 40 Cent je Liter teurer als Tankstellen im Umland. Selbst kurze Umwege von 2 bis 5 Kilometern an die nächste Anschlussstelle rechnen sich auf langen Strecken fast immer.
Der Bundesrechnungshof und die Verbraucherzentralen kritisieren dieses Preisgefälle seit Jahren. Aufgrund der konzessionierten Standorte und fehlender Konkurrenz an Raststätten bleibt der Wettbewerb dort begrenzt. Wer eine Spritpreis-App nutzt, sieht den Unterschied in Echtzeit.
Praktische Strategie für den Alltag
Drei Regeln reichen in der Praxis. Erstens: Tanken Sie abends zwischen 18 und 22 Uhr, nicht morgens. Zweitens: Vergleichen Sie über eine App, denn auch innerhalb derselben Stadt liegen oft 10 Cent zwischen den Anbietern. Drittens: Vermeiden Sie Autobahntankstellen, wann immer eine Anschlussstelle in der Nähe liegt.
Wer zusätzlich noch den Tank nicht erst bei Reservelämpchen füllt, sondern flexibel an günstigen Tagen, kann das Sparpotenzial weiter erhöhen. Bei einem Jahresverbrauch von 1.500 Litern entsprechen 8 Cent Ersparnis je Liter immerhin 120 Euro pro Jahr — ohne dass Sie Ihr Fahrverhalten ändern müssen.
Das Wesentliche
Wer abends zwischen 18 und 22 Uhr tankt, eine Spritpreis-App nutzt und Autobahntankstellen meidet, spart pro Tankfüllung leicht 5 bis 10 Euro. Über ein Jahr summiert sich das bei Vielfahrern auf einen dreistelligen Betrag. Die Daten der Markttransparenzstelle machen diesen Spareffekt für jeden zugänglich — man muss sie nur konsequent nutzen.
