Wer in Deutschland tankt, bezahlt nicht nur für Rohöl und Marge der Mineralölkonzerne. Ein erheblicher Teil des Preises an der Zapfsäule fließt direkt an den Staat: Energiesteuer, CO2-Preis, Erdölbevorratungsbeitrag und obendrauf die Mehrwertsteuer. Doch wie hoch sind diese Abgaben genau, wer legt sie fest, und wie haben sie sich in den letzten Jahren entwickelt? Dieser Beitrag schlüsselt die Bestandteile des Literpreises auf und ordnet sie ein.
Die Energiesteuer: der größte fixe Block
Die Energiesteuer, früher als Mineralölsteuer bekannt, ist seit Jahren der größte staatliche Posten am Literpreis. Für Benzin (Super E10, E5) beträgt sie 65,45 Cent pro Liter, für Diesel 47,04 Cent pro Liter. Diese Sätze sind im Energiesteuergesetz festgeschrieben und werden vom Bund erhoben. Sie sind unabhängig vom Marktpreis, fließen also auch dann, wenn der Rohölpreis fällt.
Die Differenz zwischen Benzin und Diesel von rund 18 Cent ist historisch gewachsen und politisch umstritten. Der ADAC und das Umweltbundesamt weisen seit Jahren darauf hin, dass dieser sogenannte Dieselsteuervorteil pro Jahr mehrere Milliarden Euro Steuerausfall bedeutet. Eine Anpassung wird regelmäßig diskutiert, scheitert aber bisher am politischen Widerstand.
Während des Tankrabatts von Juni bis August 2022 wurde die Energiesteuer befristet auf das EU-Mindestmaß abgesenkt. Danach kehrten die regulären Sätze zurück. Seitdem ist der Energiesteuersatz unverändert.
Der CO2-Preis: jährlich steigend
Seit Januar 2021 gilt in Deutschland ein nationaler CO2-Preis auf fossile Brennstoffe, geregelt im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Er begann bei 25 € pro Tonne CO2 und stieg planmäßig: 30 € (2022), 30 € (2023, eingefroren wegen Energiekrise), 45 € (2024) und 55 € (2025). Ab 2027 wird der Preis durch den europäischen Emissionshandel ETS 2 ersetzt und dann am Markt bestimmt.
Umgerechnet auf den Literpreis bedeutet das: Bei 45 € pro Tonne fallen rund 12,7 Cent pro Liter Benzin und rund 14,2 Cent pro Liter Diesel an. Beim Sprung auf 55 € im Jahr 2025 sind es etwa 15,5 Cent (Benzin) und 17,4 Cent (Diesel). Diese Beträge gehen über die Mineralölunternehmen indirekt an den Staat.
Das Bundesumweltministerium und das UBA betonen, dass der CO2-Preis Lenkungswirkung entfalten soll: Wer weniger CO2-intensiv heizt oder fährt, zahlt weniger. Die Einnahmen fließen unter anderem in den Klima- und Transformationsfonds.
Mehrwertsteuer und Erdölbevorratung
Auf alle bisherigen Bestandteile, also Rohstoff, Marge, Energiesteuer und CO2-Preis, kommt zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Das bedeutet: Auch auf die Energiesteuer wird Mehrwertsteuer fällig, eine Steuer auf die Steuer. Bei einem Literpreis von 1,75 € entfallen rund 28 Cent auf die Umsatzsteuer.
Hinzu kommt der Erdölbevorratungsbeitrag des Erdölbevorratungsverbandes (EBV). Er finanziert die strategische Reserve, die Deutschland zu rund 90 Tagen Nettoimport bereithält, und liegt bei rund 0,3 Cent pro Liter. Verglichen mit den anderen Posten ist dieser Beitrag klein, aber dauerhaft und unauffällig im Preis enthalten.
Zusammengenommen ergibt das eine Steuer- und Abgabenquote, die laut ADAC-Auswertungen typischerweise zwischen 50 und 60 Prozent des Tankstellenpreises liegt, abhängig vom Rohölpreis und der Marktlage.
| Bestandteil | Cent pro Liter | Anteil | Empfänger |
|---|---|---|---|
| Energiesteuer | 65,45 | 37 % | Bund |
| CO2-Preis (45 €/t) | 12,70 | 7 % | Klima- und Transformationsfonds |
| Mehrwertsteuer (19 %) | 27,90 | 16 % | Bund und Länder |
| Erdölbevorratung | 0,30 | 0,2 % | EBV |
| Rohöl, Raffinerie, Marge | 68,65 | 39 % | Markt |
Wer entscheidet, wer kontrolliert?
Die Energiesteuersätze legt der Bundestag per Gesetz fest, die Erhebung übernimmt der Zoll. Den CO2-Preis-Pfad bis 2026 hat ebenfalls der Bundestag beschlossen. Die Mehrwertsteuer ist bundeseinheitlich, der Erdölbevorratungsbeitrag wird vom EBV festgelegt und vom Bundeswirtschaftsministerium genehmigt.
Die Marktpreise selbst werden nicht staatlich reguliert, sondern entstehen aus Rohstoffkosten, Raffineriemargen und Wettbewerb der Tankstellen. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt überwacht die Preise und stellt die Daten unter anderem Tankerkönig, ADAC Spritpreis und Clever-Tanken zur Verfügung.
Was bleibt übrig für Rohöl und Marge?
Bei einem typischen Benzinpreis von 1,75 € pro Liter im Jahr 2024 entfallen grob 65 Cent auf Energiesteuer, 13 Cent auf den CO2-Preis, 28 Cent auf Mehrwertsteuer und unter 1 Cent auf den Bevorratungsbeitrag. Es bleiben rund 68 Cent für Rohöl, Raffinerie, Logistik und Tankstellenmarge zusammen. Die reine Tankstellenmarge ist davon der kleinste Anteil, oft im einstelligen Cent-Bereich.
Beim Diesel ist die Steuerlast absolut etwas niedriger, der CO2-Anteil aber höher pro Liter, weil Diesel mehr Kohlenstoff je Liter enthält. Die Spreizung zwischen Benzin und Diesel an der Zapfsäule wird dadurch in den kommenden Jahren tendenziell kleiner.
Das Wesentliche
Mehr als 60 Prozent des Literpreises an deutschen Tankstellen gehen in Steuern und Abgaben, mit der Energiesteuer als größtem Posten. Der CO2-Preis steigt bis 2026 weiter und wird ab 2027 vom europäischen Emissionshandel abgelöst. Wer den Markt verstehen will, sollte beide Komponenten kennen, denn nur die Differenz zwischen Bruttopreis und Steuerlast bewegt sich tatsächlich mit Rohöl und Wettbewerb.
