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Reifendruck und Spritverbrauch: Die unterschätzte Spar-Maßnahme zum Nulltarif

Falscher Reifendruck kostet jährlich Hunderte Euro an der Zapfsäule und verschleißt die Reifen schneller — dabei dauert das Prüfen an der Tankstelle keine fünf Minuten.

Manometer am Ventil eines Pkw-Reifens an einer deutschen Tankstelle

Reifendruck zählt zu den wirksamsten und zugleich am häufigsten ignorierten Stellschrauben beim Spritverbrauch. Wer mit 0,5 bar zu wenig Luft fährt, verbrennt nach Untersuchungen des ADAC und des Umweltbundesamts spürbar mehr Kraftstoff, riskiert frühzeitigen Reifenverschleiß und im Extremfall einen Reifenplatzer auf der Autobahn. Die Maßnahme kostet nichts, erfordert kein Werkzeug und lässt sich an jeder Tankstelle erledigen. Dieser Beitrag erklärt, was Reifendruck konkret bringt und wie Sie ihn richtig prüfen.

Warum Reifendruck den Verbrauch beeinflusst

Ein Reifen ist kein starres Bauteil, sondern verformt sich unter Last. Je weniger Luftdruck im Inneren wirkt, desto stärker walkt die Lauffläche bei jeder Umdrehung. Diese Walkarbeit kostet Energie, die der Motor in Form von Kraftstoff bereitstellen muss. Der Fachbegriff dafür lautet Rollwiderstand.

Der Rollwiderstand macht laut Umweltbundesamt bei normaler Überlandfahrt etwa 20 bis 25 Prozent des gesamten Energieaufwands eines Pkw aus. Im Stadtverkehr ist sein Anteil geringer, auf der Autobahn bei Tempo 130 dominiert eher der Luftwiderstand. Trotzdem bleibt der Reifen bei jeder Fahrtsituation ein Faktor.

Hinzu kommt: Ein zu weicher Reifen erwärmt sich stärker, verschleißt ungleichmäßig an den Schultern und verliert an Seitenführung. Der Spareffekt durch korrekten Druck ist also nur ein Teil des Nutzens — Sicherheit und Reifenlebensdauer profitieren gleichermaßen.

Wie viel Sprit kostet zu wenig Luft konkret?

Der ADAC und Reifenhersteller wie Continental kommunizieren seit Jahren konsistente Größenordnungen: 0,2 bar unter Soll erhöhen den Verbrauch um etwa 1 Prozent, 0,5 bar um rund 2 bis 3 Prozent, 1,0 bar um bis zu 5 bis 6 Prozent. Diese Werte gelten für gängige Pkw-Reifen bei normaler Beladung.

Rechnen wir das durch: Bei einem Verbrauch von 7,0 L/100 km, einer Jahresfahrleistung von 13.000 km (KBA-Durchschnitt) und einem Benzinpreis von 1,75 €/L kostet eine dauerhaft 0,5 bar zu niedrige Befüllung etwa 25 bis 35 Euro pro Jahr — nur durch Mehrverbrauch. Bei 1,0 bar Unterdruck liegen die Mehrkosten bei 60 bis 75 Euro, dazu kommt verkürzte Reifenlebensdauer.

Klingt überschaubar? Multiplizieren Sie das mit zwei Fahrzeugen im Haushalt und der Tatsache, dass laut DEKRA-Stichproben jedes vierte bis fünfte Auto auf deutschen Straßen mit zu niedrigem Druck unterwegs ist. In Summe entsteht ein vermeidbarer Verbrauchsposten.

Mehrverbrauch durch Unterdruck
Wie stark zu wenig Luft den Spritverbrauch erhöht
Bezogen auf einen Pkw mit 7,0 L/100 km, 13.000 km/Jahr, 1,75 €/L Benzin
DruckabweichungMehrverbrauchMehr-L/JahrMehrkosten/JahrReifenverschleiß
−0,2 barca. 1 %ca. 9 Lca. 15 €leicht erhöht
−0,5 bar2–3 %18–27 L30–50 €spürbar erhöht
−1,0 bar5–6 %45–55 L80–95 €deutlich erhöht
−1,5 bar7–8 %65–73 L115–130 €kritisch, Sicherheitsrisiko
Quellen: ADAC-Reifenratgeber, Continental, Umweltbundesamt; Verbrauchspreis nach Tankerkönig-Mittelwert. Werte gerundet.
Was am Ende wirklich zählt
Die größten Spareffekte ergeben sich aus mehreren kleinen, sich summierenden Änderungen — nicht aus einem einzigen Trick.
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Den richtigen Wert finden

Den Solldruck legt der Fahrzeughersteller fest, nicht der Reifenhersteller. Sie finden ihn im Tankdeckel, an der Fahrer-B-Säule oder im Bordbuch. Üblich sind zwei Tabellen: ein Wert für Teillast (eine bis zwei Personen) und ein höherer Wert für Volllast (vier Personen plus Gepäck oder Anhängerbetrieb).

Wer regelmäßig mit Familie und Urlaubsgepäck fährt, sollte den höheren Wert wählen — oder zumindest vor der Urlaubsfahrt nachjustieren. Viele Halter nutzen dauerhaft den Komfortwert und wundern sich dann über erhöhten Verschleiß auf langen Strecken.

Ein verbreiteter Tipp aus der Praxis: 0,2 bar über Herstellerangabe fahren. Das spart minimal mehr Sprit und verlängert die Reifenstandzeit, ohne den Komfort spürbar zu verschlechtern. Über 0,3 bar Aufschlag sollte man nicht hinausgehen, weil sonst die Aufstandsfläche zu klein wird und Bremsweg sowie Seitenführung leiden.

Richtig prüfen: kalt, regelmäßig, alle vier

Der Druck wird am kalten Reifen gemessen, also vor der Fahrt oder nach maximal zwei bis drei Kilometern Anfahrt zur Tankstelle. Warme Reifen zeigen 0,2 bis 0,3 bar zu viel an, weil sich die Luft im Inneren ausgedehnt hat. Wer warm misst und auf Sollwert ablässt, fährt anschließend mit Unterdruck.

Prüfen Sie alle vier Reifen — und das Reserverad, falls vorhanden. Reifen verlieren naturgemäß 0,1 bis 0,2 bar pro Monat durch Diffusion, bei Temperaturwechseln im Herbst oft mehr. Eine monatliche Kontrolle plus eine Prüfung vor jeder längeren Fahrt ist ein vernünftiger Rhythmus.

Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) sind seit November 2014 in jedem neu zugelassenen Pkw Pflicht. Sie warnen aber erst bei deutlichem Druckverlust, nicht bei schleichend sinkenden Werten. Ein RDKS ersetzt die manuelle Prüfung also nicht, es ergänzt sie.

Sommer, Winter, E-Auto: kleine Unterschiede

Bei Winterreifen empfehlen viele Hersteller 0,2 bar über dem Sommerwert, weil die weichere Gummimischung mehr walkt und kalte Luft sich zusammenzieht. Im Frühjahr nach dem Reifenwechsel lohnt eine Kontrolle, weil die eingelagerten Reifen in der Werkstatt selten exakt befüllt zurückkommen.

Elektroautos sind durch ihr höheres Gewicht (Batterie) und die starke Anfahrbeschleunigung empfindlicher gegenüber zu niedrigem Druck. Hersteller wie Tesla oder VW geben für ihre Stromer entsprechend höhere Werte an, oft 2,8 bis 3,0 bar. Hier wirkt sich falscher Druck nicht in €/L, sondern in kWh und damit in Reichweite aus — der Effekt ist physikalisch derselbe.

Das Wesentliche

Reifendruck ist die billigste Spar-Maßnahme im Alltag: einmal im Monat an der Tankstelle prüfen, bei kaltem Reifen, alle vier Räder, gemäß Tankdeckel-Tabelle. Wer dauerhaft 0,2 bar über Herstellerangabe fährt, spart messbar Sprit und verlängert die Reifenlebensdauer. Bei Volllast und vor Urlaubsfahrten zusätzlich nachjustieren. Investition: fünf Minuten und null Euro — Ertrag: 30 bis 100 Euro im Jahr plus mehr Sicherheit.

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