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Spritpreis-Apps im Vergleich: Welche App beim Tanken tatsächlich spart

Spritpreis-Apps versprechen alle dasselbe: günstiger tanken. Wir haben die Funktionen, Datenquellen und Spar-Effekte der vier verbreitetsten Anbieter in Deutschland geprüft.

Smartphone mit geöffneter Spritpreis-App vor einer deutschen Tankstelle bei Dämmerung

Seit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) bei der Bundeskartellamt-Behörde melden alle deutschen Tankstellen ihre Preise in Echtzeit. Aus diesen Daten speisen sich rund ein Dutzend Apps, die Autofahrenden den Weg zur günstigsten Zapfsäule weisen sollen. Doch nicht jede App nutzt die Daten gleich gut. Wir haben vier verbreitete Anwendungen in Deutschland verglichen und geprüft, welche im Alltag wirklich Geld spart und wo der Aufwand den Nutzen übersteigt.

Woher kommen die Preisdaten überhaupt?

Alle in Deutschland verfügbaren Spritpreis-Apps greifen auf dieselbe Quelle zurück: die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt. Tankstellenbetreiber sind seit 2013 verpflichtet, jede Preisänderung binnen fünf Minuten zu melden. Die Rohdaten werden über zugelassene Verbraucher-Informationsdienste an Apps weitergegeben.

Das bedeutet: Die Preise selbst sind bei allen Apps identisch. Unterschiede entstehen durch die Aufbereitung, die Filtermöglichkeiten, die Aktualisierungslogik und durch Zusatzfunktionen wie Preisverlauf, Routenplanung oder Push-Benachrichtigungen. Wer denkt, eine bestimmte App finde günstigere Tankstellen als andere, irrt. Sie zeigt sie nur übersichtlicher oder schneller an.

Die vier verbreitetsten Apps im Überblick

clever-tanken.de gilt als Platzhirsch und gehört zur mehrwertige Tankkartenfirma. Die App ist werbefinanziert, kostenlos und bietet Preisalarm sowie historische Verläufe. ADAC Spritpreise ist Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern zugänglich, werbefrei und legt Wert auf reine Preisinformation ohne Zusatzangebote.

Tankerkönig wurde ursprünglich als offene Datenschnittstelle für Entwickler aufgebaut und stellt selbst eine schlanke App bereit, die ohne Werbung und ohne Konto auskommt. mehr-tanken ist enger mit Tankstellenketten verzahnt und bewirbt teils Bonus-Programme, was die Trennlinie zwischen Information und Marketing verschwimmen lässt.

Im Funktionsumfang unterscheiden sich die Apps weniger als im Detail: Wie viele Tankstellen werden gleichzeitig auf der Karte angezeigt, lässt sich nach Kraftstoffsorte filtern, funktioniert die Umkreissuche zuverlässig auf der Autobahn?

Was am Ende wirklich zählt
Die größten Spareffekte ergeben sich aus mehreren kleinen, sich summierenden Änderungen — nicht aus einem einzigen Trick.
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Wie groß ist der reale Spar-Effekt?

Laut ADAC schwanken die Preise zwischen der teuersten und der günstigsten Tankstelle einer mittelgroßen Stadt häufig um 10 bis 20 Cent pro Liter. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entspricht das fünf bis zehn Euro Differenz pro Tankvorgang. Auf das Jahr hochgerechnet, bei rund 14.000 km Fahrleistung und 7 L/100 km Verbrauch, sind das grob 100 bis 200 Euro Sparpotenzial.

Allerdings gilt dieser Maximaleffekt nur, wenn man die günstigste Tankstelle auch tatsächlich anfährt, ohne nennenswerten Umweg. Mehr als drei bis vier Kilometer Umweg fressen den Vorteil schnell wieder auf. Die Bundesnetzagentur und das Umweltbundesamt weisen außerdem darauf hin, dass typische Tagesschwankungen — morgens teurer, abends zwischen 18 und 21 Uhr günstiger — oft mehr ausmachen als der Wechsel der Marke.

Vergleich
Spritpreis-Apps in Deutschland im Funktionsvergleich
Stand: redaktionelle Stichprobe, alle Apps nutzen MTS-K-Daten
AppWerbefreiPreisalarmPreisverlaufRoutenfilterKonto nötig
ADAC Spritpreisejajabegrenztneinnein
clever-tankenneinjaja (7–30 Tage)jaoptional
Tankerkönigjabegrenztja (über API)neinnein
mehr-tankenneinjajateilsfür Bonus ja
Quelle: eigene Recherche, App-Stores und Anbieterangaben; Datenbasis aller Apps: Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (Bundeskartellamt).

Worauf es im Alltag wirklich ankommt

Eine gute App erkennt den Standort schnell, aktualisiert die Preise zuverlässig im Hintergrund und erlaubt das Setzen einer Preisschwelle, ab der eine Benachrichtigung kommt. Wer pendelt, profitiert von einer Funktion, die entlang der Route filtert, statt nur im Umkreis des aktuellen Standorts zu suchen.

Werbung und Datenschutz sind ein zweites Kriterium. ADAC Spritpreise und Tankerkönig kommen mit minimaler Datenerfassung aus, während clever-tanken und mehr-tanken stärker auf Tracking und gesponserte Einträge setzen. Wer Wert auf Privatsphäre legt, sollte die Berechtigungen prüfen.

Drittes Kriterium ist der Preisverlauf. Nur wer sehen kann, wie eine Tankstelle in den letzten sieben Tagen typischerweise um 19 Uhr gepreist war, kann gezielt zur richtigen Tageszeit hinfahren — die Faustregel des ADAC zur Abendpreis-Senke ist hier fast wirksamer als jeder Markenvergleich.

Empfehlung: Für wen welche App?

Für Gelegenheitsfahrer mit Fokus auf Werbefreiheit und Datenschutz ist ADAC Spritpreise die solideste Wahl, auch ohne ADAC-Mitgliedschaft. Vielfahrer, die Routenfilterung und detaillierte Verläufe wollen, fahren mit clever-tanken am breitesten aufgestellt, müssen aber Werbung in Kauf nehmen.

Technisch interessierte Nutzer, die eine schlanke App ohne Konto-Zwang bevorzugen, sind bei Tankerkönig richtig. mehr-tanken empfiehlt sich vor allem, wenn man ohnehin die Bonus-Programme bestimmter Ketten nutzt — sonst ist der Mehrwert gegenüber den anderen drei Apps gering.

Das Wesentliche

Spritpreis-Apps sparen real Geld, aber nicht durch Magie: Sie machen Preisunterschiede sichtbar, die ohnehin existieren. Wer abends zwischen 18 und 21 Uhr tankt, kurze Umwege akzeptiert und eine werbearme App mit Preisverlauf nutzt, holt jährlich rund 100 bis 200 Euro heraus. Welche App konkret zum Einsatz kommt, ist zweitrangig — entscheidend sind Routine und richtige Tageszeit.

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