← Alle Artikel

Stop-and-Go im Stau: Was eine Stunde Stillstand wirklich an Sprit kostet

Eine Stunde im Stau klingt harmlos, summiert sich aber zu mehreren Litern Sprit, höherem Verschleiß und versteckten Folgekosten — wir rechnen nach.

Dichter Stau mit roten Bremslichtern auf einer deutschen Autobahn in der Abenddämmerung

Stau gehört für viele Pendler zum Alltag. Was dabei selten beziffert wird: die Kosten an der Zapfsäule. Wer eine Stunde im zähen Stop-and-Go steht, verbrennt nicht nur Zeit, sondern auch messbar Kraftstoff. Die Spannweite ist groß und hängt vom Antrieb, der Klimaanlage und dem Fahrstil ab. In diesem Beitrag zeigen wir, wie hoch der Verbrauch im Stillstand und im Schritttempo realistisch ist und wo sich Geld sparen lässt.

Was bedeutet Stop-and-Go technisch?

Im Stau wechselt der Motor permanent zwischen Leerlauf, kurzem Anfahren und Bremsen. Genau dieser Lastwechsel ist energetisch ungünstig. Beim Anfahren aus dem Stand braucht ein Verbrenner deutlich mehr Sprit pro zurückgelegtem Meter als bei konstanter Fahrt, weil die Trägheit des Fahrzeugs überwunden werden muss und der Motor häufig im ineffizienten Drehzahlbereich arbeitet.

Hinzu kommt der reine Leerlaufverbrauch. Ein moderner Pkw mit 1,6 bis 2,0 Litern Hubraum genehmigt sich im Stand laut Messreihen von ADAC und Fachpresse rund 0,5 bis 1,0 Liter pro Stunde, je nach Nebenverbrauchern wie Klimaanlage oder Sitzheizung. Bei größeren Motoren oder voll aufgedrehter Klima sind 1,2 bis 1,5 L/h möglich.

Start-Stopp-Systeme, die seit etwa 2012 in vielen Neuwagen verbaut sind, dämpfen diesen Effekt im echten Stillstand. Sobald sich die Kolonne aber wieder bewegt, springt der Motor an, das System bringt also vor allem in Phasen längeren Haltens Vorteile.

Der reale Mehrverbrauch pro Stunde

Setzt man eine Stunde Stop-and-Go realistisch an, mit etwa 5 bis 10 km Strecke und mehreren Dutzend Anfahrvorgängen, ergibt sich für einen typischen Mittelklasse-Benziner ein Mehrverbrauch von rund 1,5 bis 2,5 Litern gegenüber freier Fahrt. Diesel liegen tendenziell etwas günstiger, weil sie im niedrigen Lastbereich effizienter arbeiten.

Bei einem Benzinpreis von 1,75 €/L (Tankerkönig-Tagesdurchschnitt schwankt erfahrungsgemäß zwischen 1,65 und 1,90 €/L) bedeutet das Mehrkosten von etwa 2,60 bis 4,40 € pro Stau-Stunde — nur für den Sprit. Wer fünf Mal pro Woche pendelt und regelmäßig im Stau steht, kommt schnell auf 50 bis 80 € im Monat zusätzlich.

Hybride und reine Elektroautos schneiden im Stop-and-Go besonders gut ab. Sie nutzen Bremsenergie zur Rekuperation und verbrauchen im Stand praktisch nichts außer Strom für Klima und Bordelektronik. Laut Daten des Umweltbundesamtes kann der Effizienzvorteil im Stadt- und Stauverkehr 30 bis 50 % betragen.

Verbrauch pro Stau-Stunde
Mehrverbrauch im Stop-and-Go nach Antriebsart
Geschätzter Mehrverbrauch gegenüber freier Fahrt, eine Stunde zähflüssiger Verkehr
AntriebLeerlauf (L/h bzw. kWh/h)Mehrverbrauch pro StundeMehrkosten (€/h)
Benziner Mittelklasse0,8–1,2 L/h1,5–2,5 L2,60–4,40
Diesel Mittelklasse0,6–1,0 L/h1,2–2,0 L2,00–3,40
Vollhybrid0,2–0,5 L/h0,6–1,2 L1,05–2,10
Elektroauto1–3 kWh/h (Klima)1–3 kWh0,40–1,20
Quellen: ADAC-Verbrauchsmessungen, Umweltbundesamt, Tankerkönig-Preisdurchschnitte (Benzin 1,75 €/L, Diesel 1,70 €/L, Strom 0,40 €/kWh). Werte gerundet.
Was am Ende wirklich zählt
Die größten Spareffekte ergeben sich aus mehreren kleinen, sich summierenden Änderungen — nicht aus einem einzigen Trick.
Mehr Spar-Tipps →

Klimaanlage, Heizung und Nebenverbraucher

Die Klimaanlage ist im Stau ein größerer Faktor, als viele vermuten. Bei 30 °C Außentemperatur und voll laufender Kühlung steigt der Leerlaufverbrauch um etwa 0,3 bis 0,5 L/h. Im Winter ist die Heizung beim Verbrenner praktisch kostenlos, weil sie Abwärme nutzt — beim Elektroauto dagegen kostet sie spürbar Reichweite.

Sitzheizung, Heckscheibenheizung und Infotainment fallen kaum ins Gewicht, summieren sich bei langen Stauphasen aber doch. Wer den Motor bei längerem Stillstand abstellt, sollte daran denken, dass auch die Klima dann nicht mehr kühlt.

Verschleiß und versteckte Kosten

Sprit ist nicht der einzige Posten. Stop-and-Go belastet Kupplung, Bremsen und bei Automatikgetrieben die Wandlerhydraulik. Die ADAC-Pannenstatistik weist Stadt- und Pendelfahrzeuge regelmäßig mit höheren Werkstattkosten aus als reine Langstrecken-Pkw, vor allem bei Bremsbelägen und Anlasser bei älteren Modellen ohne Start-Stopp.

Auch der Reifenverschleiß steigt durch häufiges Anfahren leicht an. In der Gesamtrechnung pro Stau-Stunde sind realistisch noch einmal 0,50 bis 1,00 € an Verschleißkosten zu addieren — ein Wert, den der ADAC in seinen Autokostenrechnern grob in dieser Größenordnung ansetzt.

Was Sie konkret tun können

Vorausschauend fahren ist im Stau das wirkungsvollste Mittel. Wer Abstand hält und im Schritttempo gleichmäßig rollt, statt immer wieder ganz anzuhalten, spart sich die teuren Anfahrvorgänge. Im Praxistest sind so 15 bis 25 % weniger Verbrauch realistisch.

Zweitens lohnt es sich, Stauprognosen ernst zu nehmen. Die Verkehrsmeldungen von SWR, BR oder die Daten der Bundesnetzagentur-nahen Verkehrsdienste zeigen Hauptstoßzeiten zuverlässig an. Wer 30 Minuten später losfährt, vermeidet oft den dichtesten Berufsverkehr. Drittens: bei Stillstand über etwa 30 Sekunden den Motor abstellen, sofern kein Start-Stopp-System dies automatisch übernimmt — das ist seit der Reform der StVO 2020 ausdrücklich erlaubt und sinnvoll.

Das Wesentliche

Eine Stau-Stunde kostet im Schnitt 3 bis 5 € allein an Sprit, plus Verschleiß und Nerven. Wer vorausschauend rollt, Hauptstoßzeiten meidet und bei längerem Stillstand den Motor abstellt, senkt die Mehrkosten spürbar. Hybride und Elektroautos sind im Stop-and-Go klar im Vorteil — ein Argument, das bei der nächsten Fahrzeugwahl gerade für Pendler ins Gewicht fallen sollte.

Spritpreise vergleichen
Schauen Sie nach, wie Ihr Bundesland im Vergleich liegt
Zur Bundesländer-Übersicht →
Weiterlesen
Weiter geht's.

Wenn Ihnen der Effekt-stapeln-sich-Gedanke gefällt, knüpfen diese Beiträge nahtlos daran an.